Haarige Angelegenheiten - Kurzhaarfrisuren und Weiblichkeit

Es sind doch nur Haare - das dachte ich und das denkt vielleicht auch jede:r Leser:in, welche:r nie den großen Wandel eines "radikalen" Haarschnittes durchlebt hat.

Haare - Statussymbol oder Schönheitsideal?




Für mich scheint es ganz klar: immer noch ein Schönheitsideal und viel zu oft ein missverstandenes Zeichen für Weiblichkeit.

"Wie lang sind deine Haare jetzt wirklich - wenn die nämlich so kurz sind, finde ich das nicht so geil" - so etwas oder Ähnliches habe ich mehr als bloß einmal und nicht nur beim Dating gehört.


Ich hatte sehr lange sehr kurze Haare. Und das habe ich sehr lange sehr geliebt, doch wie das so ist, irgendwann will man Veränderung. Wenn es nicht mehr kürzer geht, muss man eben wieder wachsen lassen. Bis kurze Haare wieder lang werden, dauert es frustrierend lange, doch ich war fast zwei Jahre geduldig, bis meine Mähne mir wieder bis ungefähr zur Schulter reichte.

Erstaunlicherweise erlebte ich ein ähnliches Gefühl, wie vor drei Jahren, als ich meine kurzen Haare rauswachsen ließ: Je länger sie wurden, desto weniger zufrieden war ich. Zwar gab es gute Tage, aber der sogenannte "Bad-hair-day" war eher die Regel, begleitet von dem Gefühl, einfach langweilig auszusehen.

Meine langen Haare geben mir außerdem das Gefühl, mich zu verstecken, nicht ich selbst zu sein. Dabei sind es doch nur Haare. Doch mein Gesicht verschwimmt mit den langen Strähnen, ebenso wie dieses sagenhafte Selbstbewusstsein, welches ich viel öfter gefühlt habe, als mein Haar nur wenige Millimeter kurz war. Weil mich das mutig fühlen lässt, weil das eben nicht jede:r macht. Obgleich ich es keinesfalls so klingen lassen möchte, als wäre das irgendwie besser - es fühlt sich lediglich für mein Selbstbild besser an.



Nun waren da also diese längeren Haare, in die ich viel Zeit, Geduld, Mühe und auch Geld investiert hatte, die mir jedoch einfach nicht mehr gefallen wollten. Die Lösung lag also auf der Hand - oder besser gesagt auf dem Kopf: Schnipp-Schnapp Haare ab.

Ein Gedanke war mir allerdings hartnäckig im Weg. "Was ist mit meinem Job?!"

Denn ich verkaufe nun einmal "Sexiness". Und diese "Sexiness" ist grob verallgemeinert und in dem, was ich denke, was andere denken, doch eben die Frau mit langem, schönen, wallendem Haar. Ich machte mir wirklich Sorgen, meinen Job oder mindestens Einbuße dadurch zu riskieren.

Andererseits, wie soll ich Sexiness verkaufen, wenn ich mich nicht wohl in meiner Haut - mit meinen Haaren - fühle? Und darüber hinaus war mir doch eigentlich klar, dass ich mein Wohlbefinden nicht von der Meinung und potenziellen Reaktionen anderer abhängig machen will. Irgendwem würde es eh gefallen.


Also Haare ab.


Warum es dann eben doch mehr als bloß Haare sind?

Weil hier und da und immer mal wieder andere Menschen anhand der Länge der Haare einer weiblich gelesenen Person ihre Weiblichkeit festmachen. Ich sage nicht, dass jeder Mensch das attraktiv finden muss, darum geht es nicht.

Ich habe einfach keine Lust, mir anhören zu müssen, dass ich mit langen Haaren so viel besser aussah und warum ich denn aussähe wie ein Kerl. Was für ein Schwachsinn. Ich habe keine Lust, mir überhaupt eine Meinung anzuhören, nach der ich nicht gebeten habe.

Deshalb schreibe ich das. Weil Weiblichkeit und sexy sein nichts mit der Haarlänge (und die steht hier stellvertretend für alle körperlichen Aspekte) zu tun hat.

Es ist ein Gefühl.



Ich fühle mich, so absurd es auch klingen mag, nun wieder wie ich selbst. Meine Haare mögen kürzer sein als die vieler Männer, doch ich fühle mich verdammt wohl, verdammt sexy damit. Darüber kann man sich die Haare raufen oder sich in die Haare kriegen, man kann es auch sein lassen.

Sind ja nur Haare.