OnlyFans bans sexually explicit content - Meine Gedanken & was jetzt?

Als letzten Freitag diese Gerüchte aufkamen, OnlyFans würde expliziten Content von der Plattform verbannen, konnte und wollte ich mir das nicht vorstellen. Diejenigen, die den Erfolg erst möglich gemacht haben, mit Füßen treten und als Dankeschön nochmal drauf spucken? - Wo gibt's denn sowas.

Willkommen im Kapitalismus Baby. Das darf man als gutherziger Mensch in dieser Welt wohl immer und immer wieder lernen.



Nun zähle ich mich nicht zu denen, die diese Plattform groß gemacht haben. Ich bin irgendwann auf den Zug aufgesprungen, habe mich in einer neuen Welt wiedergefunden und angefangen, mir etwas Neues aufzubauen. Und obwohl es für manch eine:n unvorstellbar sein mag, mir macht es zunehmend Spaß, eben genau die expliziten Inhalte zu erstellen. Das konnte ich mir bis vor ein paar Monaten sicherlich selbst nicht einmal vorstellen, doch mit jedem Fotoset wurde ich selbstsicherer, freizügiger und freimütiger. Es wurde etwas ganz Normales für mich. Etwas, dass mir nicht nur neue Möglichkeiten meiner Kreativität und meines Selbstausdruckes gab, sondern mir auch eine ganz neue, liebevolle und selbstbewusste Perspektive auf mich und meinen Körper offenbarte.

Das Gegenteil von dem Bild, welches OnlyFans nun mit der Entscheidung explizite Inhalte zu bannen, vermittelt. Die Message ist vielseitig: Sexwork Ja, aber nicht, wenn die Creator:innen Geld damit verdienen. Sexwork Nein, denn der Kapitalismus hängt immer noch irgendwo im 19. Jahrhundert fest.

Mit dieser Entscheidung wird Millionen Sexworker:innen ein Safespace, ein Raum zur Entfaltung und Wertschätzung der eigenen Arbeit einfach so genommen.

Das ist traurig, das ist ärgerlich, das ist wahnsinnig bitter und enttäuschend.


Sexwork Ja, aber nicht, wenn die Creator:innen Geld damit verdienen. Sexwork Nein, denn der Kapitalismus hängt immer noch irgendwo im 19. Jahrhundert fest.

Wenn du mit Sexwork tätig bist, dann fällt dir diese Art der Tabuisierung nicht erst auf, wenn dein "Arbeitgeber" deine Arbeit verbietet bzw. stark einschränkt. Spätestens bei der Wahl deiner social Media Plattform zu Werbezwecken wird dir klar, dass die Erwähnung von OnlyFans, Pornhub oder welchen Anbieter du auch immer nutzt, nur unter äußerster Vorsicht und Tarnung möglich sind. Du darfst nahezu überall von deinem Beruf erzählen, ihn teilen und mit Stolz verlinken - nur eben nicht, wenn er etwas mit nackten (und Gott bewahre - weiblichen!) Körpern zu tun hat.

Und die Sache ist die: Sexwork ist eine Dienstleistung, wie jede andere auch. Zudem ist sie eine Dienstleistung mit enorm hoher Nachfrage. Eine Nachfrage die Sexworker:innen bedienen sollen - nur eben möglichst unsichtbar und bitte ohne eigenen Profit.

Willkommen im Kapitalismus Baby.


Sexwork ist eine Dienstleistung, wie jede andere auch. Zudem ist sie eine Dienstleistung mit enorm hoher Nachfrage. Eine Nachfrage die Sexworker:innen bedienen sollen - nur eben möglichst unsichtbar und bitte ohne eigenen Profit.

Das alles macht mich wütend. Denn obwohl ich ganz einfach nur ein bisschen zurückrudern und mich gegen den expliziten Content entscheiden könnte, will ich das nicht.

Ich will auf keiner Plattform sein, die ihre Creator mit Füßen tritt und alles, was sie aufgebaut haben, mit einer egoistisch profitorientierten Entscheidung zunichtemacht. Ich will kein Weltbild unterstützen, dass Sexwork noch immer in der Schmuddelecke stehen lässt. Und ich will mich nicht in meiner Arbeit einschränken lassen, nicht jedes Mal darüber nachdenken müssen, ob ich jetzt diese lächerlichen Regeln, die mir zudem den Eindruck vermitteln, OnlyFans wisse selbst nicht einmal, wo genau Explizitheit anfange, einhalte oder schon zu viel zeige.

Ich will diese Plattform nicht unterstützen, wenn sie mich und alle anderen, die so viel mehr verlieren, als ich es gerade tue, nicht unterstützt.


Heute habe ich noch keine konkrete Lösung. Ich bin noch nicht so weit und mein privates Leben ist aktuell wichtiger als die Frage, wo ich in Zukunft Bilder meines zu expliziten Körpers hochladen werde.

Dennoch wollte ich einmal meine Meinung, meine Gefühle bezüglich dieser für mich absurden Situation loswerden.

Und in all dem Chaos dieser Welt weiß ich, dass ich trotzdem nicht allzu viel habe, worüber ich mich beschweren kann. Ich bin lediglich sauer.


Für alle Creator:innen, deren Existenz und deren mühsam aufgebaute Leidenschaft, in der so viel Arbeit, Zeit und Mühe steckt, verloren geht, tut es mir so wahnsinnig Leid. Ich schicke euch Kraft und Mut, weiterzumachen. Nicht aufzugeben und sich nicht vom Kapitalismus unterkriegen zu lassen.